Von 10 auf 80 Prozent Batterieladung in nur gut zehn Minuten – das verspricht der chinesische Autobauer Zeekr für sein neues Elektroautomodell 007, das 2025 Premiere feiert. Auch andere Hersteller arbeiten an einer Verkürzung der Ladedauer von Elektroautos – Hyundai, Porsche und Audi werben beispielsweise bereits mit nur rund 20 Minuten Wartezeit für das Laden auf 80 Prozent Batteriefüllstand.
Wie relevant die Ladedauer eines Elektroautos ist, hängt natürlich von der Laufleistung ab. Die durchschnittliche Fahrleistung in Deutschland sinkt seit fünf Jahren kontinuierlich. 2023 lag sie laut Kraftfahrbundesamt bei 12.320 Kilometern. Die Reichweite eines Elektroautos betrug im Durchschnitt laut ADAC bei 393 Kilometern.
Bei einer durchschnittlichen Laufleistung musste ein Elektroauto 2023 demnach nur etwa 32-mal geladen, also etwa alle elf Tage. 2024 hatte sich die Reichweite aktueller Elektroautomodelle laut WLPT bereits auf 463 Kilometer gesteigert, das entspräche einem Ladevorgang alle zwei Wochen.
Die Ladedauer eines Elektroautos hängt im Wesentlichen von fünf Faktoren ab:
1. Akkukapazität des Fahrzeugs
Die Akkukapazität bestimmt, wie viel Energie ein Elektroauto speichern kann. Ein größerer Akku ermöglicht längere Fahrstrecken, benötigt jedoch mehr Zeit zum vollständigen Aufladen. Daher verlängert sich die Ladedauer mit zunehmender Akkukapazität. Die Akkukapazität wird in Kilowattstunden gemessen (kWh).
2. Ladeleistung der Ladestation
Die Ladeleistung der Ladestation beeinflusst maßgeblich die Ladedauer. Sie wird in Kilowatt (kW) angegeben. Wechselstrom-Ladestationen (AC) bieten Leistungen bis zu 22 kW, während Gleichstrom-Schnellladestationen (DC) Ladeleistungen von bis zu 350 kW erreichen können. Je höher die Ladeleistung, desto kürzer die Ladezeit, vorausgesetzt, das Fahrzeug kann diese Leistung aufnehmen.
3. Maximale Ladeleistung des Fahrzeugs
Jedes Elektroauto hat eine vom Hersteller festgelegte maximale Ladeleistung. Selbst wenn die Ladestation höhere Leistungen bereitstellt, kann das Fahrzeug nur bis zu seiner maximalen Kapazität laden. Daher ist die Ladedauer auch von der Ladefähigkeit des Autos abhängig.
Gut zu wissen: Die durchschnittliche Ladeleistung von Elektroautos gibt WLTP für 2024 mit 156 kW an. Das entspräche an einer Schnellladestation einer Ladedauer von rund 20 bis 30 Minuten, um den Akku von 20 auf 80 Prozent aufzuladen.
4. Batterietemperatur
Die Temperatur der Batterie beeinflusst die Ladegeschwindigkeit erheblich. Sowohl bei zu hohen als auch bei zu niedrigen Temperaturen lädt die Batterie langsamer. Laut ADAC kann ein Ladevorgang bei minus 7 Grad 40 bis 70 Prozent länger dauern, da die Batterie vor dem Laden erst einmal vorgeheizt werden muss. Moderne Elektroautos regulieren über Thermomanagementsysteme die Batterietemperatur, um optimale Ladebedingungen zu gewährleisten.
5. Ladezustand der Batterie
Der aktuelle Ladezustand (State of Charge, SoC) der Batterie spielt ebenfalls eine Rolle für die Ladedauer. Der Standardladevorgang von 20 auf 80 Prozent läuft schneller als die letzten 20 Prozent Füllstand. Dies dient dem Schutz der Batterie.
Auch wer bereits früh nachtankt, beispielsweise bei einem SoC von 50 Prozent, muss mit einer schwächeren Ladeleistung rechnen. Am kürzesten ist die Ladedauer des Elektroautos also, wenn der Ladevorgang mit einem geringeren SoC gestartet wird.
Besonders wichtig ist die Ladedauer für Elektroautos unterwegs. Wer eine längere Strecke zurücklegen möchte, für die eine Batterieladung nicht ausreicht, greift gern auf Schnellladestationen mit mehr als 50 kW Ladeleistung zurück. Wenn das Elektroauto eine hohe Ladeleistung verträgt, dauert der Ladevorgang im Regelfall weniger als 30 Minuten. Das Schnellladen funktioniert im Regelfall über Gleichstrom. Vattenfall InCharge testet aber auch bereits Schnellladesäulen mit Batterien.
Aktuell gibt es rund 33.149 Schnellladepunkte in Deutschland, im Rahmen des Deutschlandnetzes fördert die Bundesregierung in den nächsten Jahren 9.000 weitere Schnellladepunkte an 1.000 Orten, die bisher noch keinen Anschluss an Schnellladeinfrastruktur bieten. Ab dem 1. Januar 2028 müssen auch große Tankstellenunternehmen mindestens einen Schnellladepunkt pro Filiale haben. Das Schnellladenetz in Deutschland wächst also zusehends.
Der ADAC hat im Januar 2025 Elektroautomodelle auf ihre Langstreckentauglichkeit geprüft und sowohl die Gesamtreichweite mit einem Ladestopp als auch die gewonnene Reichweite durch 20 Minuten Laden festgehalten. Folgende zehn Elektroautomodelle erwiesen sich als Testsieger beim Schnellladen:
Elektroautomodell | Gesamtreichweite mit einem Ladestopp | Gewonnene Reichweite durch 20 Minuten Laden |
Porsche Taycan Performance Plus (97 kWh) | 981 km | 468 km |
Hyundai Ioniq 6 2WD (77,4 kWh) | 931 km | 429 km |
Lucid Air Grand Touring AWD | 859 km | 309 km |
BMW iX xDrive 50 |
835 km |
282 km |
Mercedes EQS 450+ |
825 km | 304 km |
Mercedes EQE SUV 350+ | 806 km | 303 km |
Polestar 2 Long Range Single Motor (82 kWh) | 801 km | 320 km |
Nio ET5 Touring 100 kWh | 792 km | 326 km |
Hyundai Ioniq 5 2WD (77 kWh) |
786 km | 363 km |
Mercedes EQE 350+ | 783 km | 303 km |
1. Optimale Batterietemperatur
Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad ermöglichen eine Optimierung der Ladedauer. Bei Kälte ist es sinnvoll, direkt nach einer Fahrt zu laden, damit die Batterie noch warm ist. Alternativ wärmen moderne Elektroautos den Akku über eine Vortemperierungsfunktion auf.
2. Ladezustand beachten
Am schnellsten läuft der Ladevorgang zwischen 20 und 80 Prozent Batteriefüllstand. Die letzten 20 Prozent Ladung auf 100 Prozent können doppelt so lang dauern wie der Ladevorgang von 60 auf 80 Prozent.
3. Schnelllader gezielt nutzen
Auf Reisen reduzieren Schnellladestationen die Ladedauer erheblich. Wie schnell das E-Auto laden kann, hängt von der maximalen Ladeleistung ab. Liegt die maximale Ladeleistung eines E-Autos bei 100 kW, nutzt es auch an einer Schnellladestation mit 350 kW nur 100 kW.
Die Ladedauer von Elektroautos hängt von fünf Faktoren ab. Dazu gehören die Akkukapazität und die Ladeleistung des Fahrzeugs, der Batteriefüllstand, die Außentemperatur und die Ladeleistung der Ladestation. Vor allem auf langen Strecken sind Schnellladesäulen eine bequeme Lösung, um die Ladedauer kurzfristig zu reduzieren.
Damit Sie die Ladedauer der Elektroautos Ihres Unternehmens optimieren können, ist eigene Ladeinfrastruktur unumgänglich. Zusätzlich zahlen Sie mit dieser Investition auch auf Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung ein. Vattenfall InCharge unterstützt Sie gern: In unserem kostenlosen Whitepaper bekommen Sie eine Anleitung für den Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur in vier einfachen Schritten.