24.06.2025 | 5 Minuten

Ladezeit beim E-Auto: Wie lange dauert das Laden und warum lädt mein Elektroauto manchmal langsam?


Die Ladezeit von Elektroautos gehört nach wie vor zu den Themen, die viele Menschen beschäftigen. Während Verbrenner in wenigen Minuten betankt sind, hängt die Dauer eines Ladevorgangs von verschiedenen Faktoren ab. Gleichzeitig hat sich die Ladeinfrastruktur in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Moderne Elektroautos können heute an Schnellladestationen innerhalb von rund 20 Minuten mehrere Hundert Kilometer Reichweite nachladen.

Doch warum lädt ein E-Auto manchmal langsamer als erwartet? Und welche Faktoren beeinflussen die tatsächliche Ladeleistung?

Wie lange dauert das Laden eines E-Autos?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die Ladezeit hängt unter anderem von der Batteriekapazität, der Ladeleistung des Fahrzeugs und der genutzten Ladeinfrastruktur ab.

Zur Orientierung:

 

Art der Ladestation Ladedauer Ladeleistung

Haushaltssteckdose

ca. 8-14 Stunden

ca. 2,3 kW

Haushaltssteckdose mit Wallbox

ca. 2-6 Stunden

ca. 3,6-22 kW


Öffentliche Ladesäule mit Wechselstrom (AC)

ca. 2-4 Stunden

ca. 10-22 kW


Öffentliche Ladesäule mit Gleichstrom (DC)

ca. 0,5-1 Stunde

ca. 50-150 kW

Quelle: Shell - Ladezeit E-Auto

Für die meisten Fahrerinnen und Fahrer spielt die Ladezeit im Alltag allerdings eine geringere Rolle als häufig angenommen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt lag die durchschnittliche Fahrleistung eines Pkw in Deutschland zuletzt bei rund 12.300 Kilometern pro Jahr. Moderne Elektroautos erreichen inzwischen Reichweiten von deutlich über 400 Kilometern. Im Alltag bedeutet das oft nur wenige Ladevorgänge pro Monat.

Ladezeit, Ladeleistung und Ladegeschwindigkeit: Wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche Aspekte des Ladevorgangs.

  • Die Ladezeit gibt an, wie lange ein Akku für einen bestimmten Ladehub benötigt – beispielsweise von 20 auf 80 Prozent.
  • Die Ladeleistung beschreibt die Energiemenge, die pro Zeiteinheit in die Batterie übertragen wird. Sie wird in Kilowatt (kW) angegeben.
  • Die Ladegeschwindigkeit zeigt schließlich, wie viel Reichweite innerhalb einer bestimmten Zeit nachgeladen werden kann.

Alle drei Werte hängen unmittelbar zusammen. Eine höhere Ladeleistung führt grundsätzlich zu kürzeren Ladezeiten und einer höheren Ladegeschwindigkeit. Dennoch erreicht ein Fahrzeug die maximale Ladeleistung meist nur für einen begrenzten Zeitraum.

Welche Faktoren beeinflussen die Ladezeit eines E-Autos?

Die tatsächliche Ladedauer wird von mehreren technischen Faktoren bestimmt:

1. Akkukapazität des Fahrzeugs 

Die Batteriekapazität wird in Kilowattstunden (kWh) angegeben und bestimmt, wie viel Energie gespeichert werden kann.

Grundsätzlich gilt: Je größer die Batterie, desto länger dauert eine vollständige Ladung. Gleichzeitig ermöglichen größere Akkus meist höhere Reichweiten, sodass seltener geladen werden muss.

2. Ladeleistung der Ladestation 

Neben dem Fahrzeug spielt auch die Ladeinfrastruktur eine entscheidende Rolle.

Öffentliche AC-Ladestationen arbeiten in der Regel mit Leistungen von bis zu 22 kW. Moderne DC-Schnellladestationen können dagegen Ladeleistungen von bis zu 400 kW bereitstellen.

Allerdings bedeutet eine hohe Leistung der Ladesäule nicht automatisch, dass das Fahrzeug diese vollständig nutzen kann.

3. Maximale Ladeleistung des Fahrzeugs 

Jedes Elektroauto verfügt über eine technisch festgelegte maximale Ladeleistung.

Kann ein Fahrzeug beispielsweise maximal 100 kW aufnehmen, bleibt die Ladeleistung auch an einer 400-kW-Schnellladesäule auf diesen Wert begrenzt.

Entscheidend ist daher immer der niedrigere Wert aus Fahrzeug- und Ladeleistung.

Gut zu wissen: Die durchschnittliche Ladeleistung von Elektroautos gibt WLTP für 2024 mit 156 kW an. Das entspräche an einer Schnellladestation einer Ladedauer von rund 20 bis 30 Minuten, um den Akku von 20 auf 80 Prozent aufzuladen.

4. Batterietemperatur 

Auch die Temperatur hat einen erheblichen Einfluss auf die Ladegeschwindigkeit.

Bei niedrigen Temperaturen laufen die elektrochemischen Prozesse in der Batterie langsamer ab. Das kann insbesondere im Winter zu längeren Ladezeiten führen. Laut ADAC kann ein Ladevorgang bei minus 7 Grad 40 bis 70 Prozent länger dauern. Nach einer längeren Fahrt befindet sich der Akku häufig bereits im optimalen Temperaturbereich und kann Energie effizienter aufnehmen.

Doch nicht nur Kälte wirkt sich aus: Auch bei sehr hohen Temperaturen reduzieren moderne Batteriemanagementsysteme die Ladeleistung, um die Batterie zu schützen.  

5. Ladezustand der Batterie 

Die Ladeleistung bleibt während des Ladevorgangs nicht konstant.

Am schnellsten laden Elektroautos typischerweise im Bereich zwischen 20 und 80 Prozent Batteriestand. Mit zunehmendem Ladezustand reduziert das Batteriemanagement die Leistung, um die Zellen zu schützen.

Deshalb dauern die letzten 20 Prozent häufig deutlich länger als die ersten 60 Prozent.

6. Batteriemanagement und Leistungsverteilung

Moderne Elektrofahrzeuge überwachen kontinuierlich den Zustand der Batterie. Das Batteriemanagementsystem berücksichtigt dabei unter anderem Temperatur, Ladezustand und Zellgesundheit.

Darüber hinaus kann auch die Auslastung einer Schnellladestation Einfluss auf die verfügbare Leistung haben. An manchen Standorten wird die Gesamtleistung auf mehrere Ladepunkte verteilt, wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden.

Schnellladen als Alternative für lange Strecken

Besonders wichtig ist die Ladedauer für Elektroautos unterwegs. Wer eine längere Strecke zurücklegen möchte, für die eine Batterieladung nicht ausreicht, greift gern auf Schnellladestationen mit mehr als 50 kW Ladeleistung zurück. Wenn das Elektroauto eine hohe Ladeleistung verträgt, dauert der Ladevorgang im Regelfall weniger als 30 Minuten. Das Schnellladen funktioniert im Regelfall über Gleichstrom. Vattenfall InCharge testet aber auch bereits Schnellladesäulen mit Batterien

Aktuell gibt es rund 33.149 Schnellladepunkte in Deutschland, im Rahmen des Deutschlandnetzes fördert die Bundesregierung in den nächsten Jahren 9.000 weitere Schnellladepunkte an 1.000 Orten, die bisher noch keinen Anschluss an Schnellladeinfrastruktur bieten. Ab dem 1. Januar 2028 müssen auch große Tankstellenunternehmen mindestens einen Schnellladepunkt pro Filiale haben. Das Schnellladenetz in Deutschland wächst also zusehends. 

So schnell laden aktuelle E-Auto-Modelle

Der ADAC hat im Januar 2025 Elektroautomodelle auf ihre Langstreckentauglichkeit geprüft und sowohl die Gesamtreichweite mit einem Ladestopp als auch die gewonnene Reichweite durch 20 Minuten Laden festgehalten. Folgende zehn Elektroautomodelle erwiesen sich als Testsieger beim Schnellladen:  

Elektroautomodell  Gesamtreichweite mit einem Ladestopp  Gewonnene Reichweite durch 20 Minuten Laden 
Porsche Taycan Performance Plus (97 kWh) 981 km  468 km 
Hyundai Ioniq 6 2WD (77,4 kWh) 931 km 429 km
Lucid Air Grand Touring AWD  859 km  309 km
BMW iX xDrive 50 

835 km

282 km

Mercedes EQS 450+ 
825 km 304 km 
Mercedes EQE SUV 350+  806 km  303 km
Polestar 2 Long Range Single Motor (82 kWh)  801 km 320 km 
Nio ET5 Touring 100 kWh  792 km 326 km

Hyundai Ioniq 5 2WD (77 kWh) 
786 km 363 km
Mercedes EQE 350+  783 km  303 km

4 Tipps zur Reduzierung der Ladedauer

1. Optimale Batterietemperatur 

Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad ermöglichen eine Optimierung der Ladedauer. Bei Kälte ist es sinnvoll, direkt nach einer Fahrt zu laden, damit die Batterie noch warm ist. Alternativ wärmen moderne Elektroautos den Akku über eine Vortemperierungsfunktion auf. 

2. Ladezustand beachten 

Am schnellsten läuft der Ladevorgang zwischen 20 und 80 Prozent Batteriefüllstand. Die letzten 20 Prozent Ladung auf 100 Prozent können doppelt so lang dauern wie der Ladevorgang von 60 auf 80 Prozent. 

3. Schnelllader gezielt nutzen 

Auf Reisen reduzieren Schnellladestationen die Ladedauer erheblich. Wie schnell das E-Auto laden kann, hängt von der maximalen Ladeleistung ab. Liegt die maximale Ladeleistung eines E-Autos bei 100 kW, nutzt es auch an einer Schnellladestation mit 350 kW nur 100 kW. 

4. Die Ladeleistung des Fahrzeugs kennen

Nicht jede Schnellladestation führt automatisch zu kürzeren Ladezeiten. Entscheidend ist, welche Leistung das Fahrzeug tatsächlich verarbeiten kann.

Fazit

Die Ladezeit eines Elektroautos hängt von deutlich mehr Faktoren ab als nur von der Leistung der Ladesäule. Neben Akkukapazität und Ladezustand beeinflussen auch Temperatur, Batteriemanagement und die maximale Ladeleistung des Fahrzeugs die tatsächliche Ladegeschwindigkeit.

Wer diese Zusammenhänge kennt, kann Ladezeiten realistischer einschätzen und das Potenzial seines Elektroautos besser nutzen. Besonders auf längeren Strecken sorgen moderne Schnellladestationen inzwischen dafür, dass Ladepausen deutlich kürzer ausfallen als noch vor wenigen Jahren.

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