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21.01.2020 | 4 Minuten

Stadt, Land, Strom: Die Ladeinfrastruktur in Deutschland wird immer besser


Autohersteller bringen immer mehr E-Modelle auf den Markt. Damit diese die Nummer eins auf der Straße werden, muss die Ladeinfrastruktur stimmen. Eine Bestandsaufnahme.

Seit 2016 ist die Zahl der Stromtankstellen in Deutschland um rund 15.500 gestiegen. Klingt gut – aber reicht das? Die Antwort: Jein. Aktuell fahren 220.000 E-Autos auf deutschen Straßen, davon 84.000 reine Stromer. Der aktuelle Bedarf ist damit gedeckt – zumindest, was die reinen Zahlen betrifft. Um die Ladeinfrastruktur in ganz Deutschland zu optimieren, wird weiter kräftig gebaut. Das Wachstum kann sich sehen lassen: Innerhalb eines Jahres, von August 2018 bis August 2019, ist die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte laut dem Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) von 13.500 auf 20.650 gestiegen – ein Zuwachs von mehr als 50 Prozent.

Besitzer von E-Autos tanken normalerweise zuhause oder bei der Arbeit. 80 Prozent der Ladevorgänge findet hier statt. Da das Auto dann sowieso länger steht, sind Wartezeiten unproblematisch. Doch nimmt die Elektromobilität weiter zu, müssen auch mehr öffentliche Ladepunkte zur Verfügung stehen, dementsprechend auch mehr Stellflächen. Denn nicht jeder hat eine Garage zu Hause, in die eine Wallbox eingebaut werden kann. Deshalb baut auch Vattenfall InCharge sein Ladenetz kontinuierlich aus. Außerdem brauchen mehr Arbeitsplätze Stromtankstellen für ihre Mitarbeiter. Nicht zuletzt, damit überhaupt genug Raum für all die Elektroautos ist. Denn Ladevorgänge dauern heute noch vergleichsweise lange – Zeit, in der der jeweilige Stellplatz für andere nicht verfügbar ist.

Ausbau auf dem Land

Auch auf dem Land wird die E-Mobilität weiter an Fahrt aufnehmen. Der Ausbau der Ladinfrastruktur ist hier besonders wichtig, weil Menschen in ländlichen Regionen oft auf ihren PKW angewiesen sind, um die langen Strecken zwischen Wohnort, Arbeitsstätte und Fahrten in größere Städte zurück zu legen. Mit Zuschüssen fördert der Staat daher den Ausbau der E-Infrastruktur in ländlichen Regionen.

Innerhalb eines Jahres ist die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte in Deutschland von 13.500 auf 20.650 gestiegen.

Innerhalb eines Jahres ist die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte in Deutschland um 50 Prozent von 13.500 auf 20.650 gestiegen. Foto: Liyao Xie/GettyImages

Laut dem sogenannten Masterplan Ladeinfrastruktur, den Verkehrsminister Andreas Scheuer jüngst vorstellte, will die Bundesregierung weitere Maßnahmen auf den Weg bringen. Konkret formuliert der Masterplan Ladeinfrastruktur die folgenden Maßnahmen:

  • Einrichtung von 50.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten bis 2022, 15.000 soll die Automobilwirtschaft beisteuern
  • Aufbau einer Million öffentlich zugänglicher Ladepunkte bis 2030
  • Entsprechende Förderprogramme, die bis 2025 laufen sollen
  • Bereitstellung von 50 Millionen Euro für private Lademöglichkeiten im Jahr 2020
  • Intensivere Förderung von Ladepunkten an Kundenparkplätzen
  • Einrichtung von Ladepunkten an allen Tankstellen
  • Schaffung guter Rahmenbedingungen zum Netzausbau für Verteilnetzbetreiber
  • Einrichtung einer „Nationalen Leistelle Ladeinfrastruktur“, um den Hochlauf zu koordinieren
  • Wenn der Ausbau durch Förderung allein nicht gelingt, sollen ordnungsrechtliche Maßnahmen ein weiteres Mittel sein
  • Der Masterplan soll ab 2021 alle drei Jahre evaluiert werden

Förderung für private Ladepunkte

Um bis 2030 eine Million Ladepunkte für zehn Millionen E-Fahrzeuge zu schaffen, setzt die Bundesregierung auch auf Anreize für den Einbau von Ladeboxen an Wohnungen, Einfamilienhäusern und Arbeitsplätzen. In einer Umfrage des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gab die Mehrheit von 65 Prozent an, ohnehin lieber zu Hause als an öffentlichen Ladestationen Strom zu tanken. Besonders für Mehrfamilienhäuser sollen die Hürden für den Bau neuer Wallboxen fallen. Mit dem Masterplan des Verkehrsministeriums sollen erstmals auch 50 Millionen Euro in den Aufbau privater Ladepunkte fließen.

Der Plan der Regierung beinhaltet außerdem die Einrichtung einer nationalen Leitstelle, die alle erforderlichen Maßnahmen koordiniert. So sollen bis 2023 mehr als drei Milliarden Euro in die Tank- und Ladeinfrastruktur für CO2-freie Fahrzeuge investiert werden. Außerdem, so Scheuer, werde die Energiewirtschaft 2020 einheitliche Rahmenbedingungen für verbraucherfreundliche Ladesäulen festlegen. „Das heißt zum Beispiel: Informationen zu Belegungsstatus, transparente Preisgestaltung und einfache Bezahlmöglichkeiten.“ Das Laden soll so einfach werden wie an herkömmlichen Tankstellen.

Top-Städte und Regionen

Bereits heute fördert die Bundesregierung den Ausbau der deutschen Ladeinfrastruktur. Seit 2017 wird der Einrichtung öffentlich zugänglicher Ladepunkte durch eine anteilige Finanzierung gefördert. Außerdem stellt das Bundesverkehrsministerium ein Onlinewerkzeug bereit, das StandortTOOL, mit dem die deutschlandweite Ladeinfrastruktur bis 2030 geplant und der Ausbaubedarf berechnet werden kann.

Die Top-10 Städte, wenn es um die Anzahl öffentlich zugänglicher Ladepunkte geht (Quelle: bdew, Stand: 09/2019):

  • Hamburg: 948 Ladepunkte
  • München: 945 Ladepunkte
  • Berlin: 933 Ladepunkte
  • Stuttgart: 398 Ladepunkte
  • Düsseldorf: 213 Ladepunkte
  • Leipzig: 189 Ladepunkte
  • Essen: 159 Ladepunkte
  • Köln: 154 Ladepunkte
  • Ingolstadt: 153 Ladepunkte
  • Dortmund: 131 Ladepunkte

Ganz vorn beim flächendeckenden Ausbau ist Bayern, hier gibt es rund 2.600 Einwohner pro Ladepunkt. Ebenso an der Spitze sind Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein mit 3.000 bis 4.000 Einwohner pro Ladepunkt. Zum Vergleich: Mit 9.000 bis mehr als 11.000 Einwohner pro Ladepunkt sind Saarland und Brandenburg die Schlusslichter.

Die Mobilitätswende kann kommen

Fazit: Die E-Infrastruktur in Deutschland ist auf einem sehr guten Weg. Der Zuwachs von E-Parkplätzen und öffentlichen Ladepunkten um rund 50 Prozent innerhalb eines Jahres zeigt, dass die Mobilitätswende kommen kann – in den Städten wie auf dem Land.


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