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20.05.2020 | 6 Minuten

Unter Strom: Ladestationen für Immobilien


Der Bedarf an Ladesäulen steigt. Immobilienbesitzer und -verwalter sollten umdenken und gerade bei Neubauten Ladestationen einplanen. Das macht das Objekt für Käufer und Mieter deutlich attraktiver.

Leise, kraftvoll, weitgehend emissionsfrei: Elektroautos werden immer interessanter. Mit ihrer steten Zunahme steigt auch der Bedarf an Ladesäulen im öffentlichen Bereich, in Firmen, aber auch im Gewerbe- und Wohnungsbau. Ladestationen für Immobilien sind eine Investition in die Zukunft, von der sowohl Eigentümer als auch Bewohner profitieren. Erfahren Sie, worauf Sie bei Neubau und Betrieb achten sollten.

Immobilien mit Ladetechnik aufwerten

Sowohl bei Nichtwohngebäuden als auch bei Wohnimmobilien wird die Ladeinfrastruktur zukünftig ein wichtiges Auswahlkriterium sein“, meint Ralf Wagner, E-Mobility-Experte beim Beratungsunternehmen für den Bau- und Immobiliensektor Drees & Sommer. Viele Käufer und Mieter von hochwertigen Wohnimmobilien würden schon heute eine Installationsmöglichkeit für Ladesäulen voraussetzen. Und auch Unternehmen investieren zunehmend in Ladestationen für Firmenparkplätze und -häuser.

 

Ohne Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge lässt sich eine Immobilie zukünftig möglicherweise nicht mehr vermieten oder verkaufen. „Wer hingegen seine Gebäude heute schon entsprechend ausrüstet, steigert ihre Attraktivität für potenzielle Käufer und Mieter und sichert somit seine Zukunft“, sagt Wagner.

Ladesäulen beim Neubau: Darauf müssen Sie achten

Immobilienexperte Wagner empfiehlt, den Einbau von Ladetechnik möglichst früh im Prozess der Gebäudeplanung zu berücksichtigen, um kostenintensive Nachrüstungen zu vermeiden. Bei Neubauten müssten vor allem die Stromversorgung und die Leitungswege für die Ladeinfrastruktur bereitgestellt werden, denn die herkömmlichen Haushaltssteckdosen eigenen sich nicht für das Aufladen von Elektroautos. „Es wurden deshalb europaweit einheitliche Steckerstandards speziell für Elektroautos entwickelt“, erklärt Wagner.

 

Je nach Nutzerkreis gelten verschiedene Mindestanforderungen für E-Ladestationen. Zur Auswahl stehen wandmontierte Ladestationen, die sogenannten Wallboxes, und stehend montierte Ladesäulen. Weitere Unterscheidungen gibt es hinsichtlich der Eignung für Innen- und Außenbereiche und der Leistung.

Ladestationen wie hier im Parkhaus werten eine Immobilie für Käufer und Mieter gleichermaßen auf. Foto: Florian Stoellinger

 

Die an den Ladesäulen angebotene Ladeleistung variiert und bestimmt die Ladedauer: In Deutschland sind bei Immoblien Typ-2-Wechselstrom-Ladestationen mit 11 kW oder 22 kW weit verbreitet. Eine vollständige Ladung dauert hier zwischen zwei und sechs Stunden. Höhere Ladeleistungen bieten Gleichstrom-Ladestationen. Diese sogenannten Schnellladesäulen haben eine Leistung von mindestens 50 kW. Die Ladedauer beträgt hier ca. eine Stunde. Schnellladestationen eigenen sich besonders für den Einsatz an Orten mit einer kurzen Verweildauer sowie an Fernverkehrsstrecken.

Vor allem in Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien spielt die Ladeleistung eine wichtige Rolle. „Wenn viele Elektro-Fahrzeuge gleichzeitig aufgeladen werden, ist die Stabilität der Stromversorgung ein wichtiger Prüfpunkt“, erklärt weiterhin Michael Ringleb, Produktverantwortlicher Elektrotechnik (ELT) bei der Prüforganisation DEKRA, denn es entstehe eine Dauerlast über mehrere Stunden. „Hier muss sichergestellt sein, dass es nicht zu Stromausfällen durch Überlastung des Leitungsnetzes kommt.“ Die Installation der Ladesäulen sollte daher von erfahrenen Elektroinstallateuren vorgenommen werden.

 

Umfasst die Ladeinfrastruktur in der Wohnungswirtschaft mehrere Ladesäulen, dann sollte über den Einsatzes eines dynamischen Lastmanagements nachgedacht werden. Hierbei wird die verfügbare Gesamtladeleistung an den aktuellen Stromverbrauch im Gebäude angepasst. Durch das effiziente Aufteilen der verfügbaren Energie wird das gleichzeitige Laden mehrerer Elektroautos in optimaler Zeit ermöglicht.

Ladetechnik vom Fachmann

Vattenfall InCharge zum Beispiel stellt den Bau, Betrieb und die Wartung von Ladeinfrastruktur sicher. Sein europaweites Netzwerk an E-Auto-Ladestationen baut das Unternehmen kontinuierlich weiter aus. Auch hinsichtlich der Abrechnung der Energie unterstützt Vattenfall InCharge seine Kunden kompetent, denn hier gilt es auch rechtliche Aspekte zu beachten. Drees & Sommer-Experte Wagner: „Insbesondere bei einem wechselnden Nutzerkreis ist es oftmals hilfreich, Dienstleister für Ladeinfrastruktur, sogenannte Charging Station Operator einzuschalten, die rechtssicher die Abrechnung übernehmen können.“

Fördermöglichkeiten für Ladesäulen

Wer sich für die Installation einer Ladeinfrastruktur entscheidet, kann von Fördermöglichkeiten profitieren. Für den Bau von Ladestationen gibt es je nach Bundesland staatliche Zuschüsse. „Betriebliche Ladeinfrastruktur wird zum Beispiel in Baden-Württemberg mit 40 Prozent gefördert“, sagt Wagner. Außerdem will das Bundesverkehrsministerium laut „Masterplan Ladeinfrastruktur“ in diesem Jahr insgesamt bis zu 50 Millionen Euro für private Haushalte zur Verfügung stellen.

 

In 5 Schritten zur eigenen Ladestation

 

  • Schritt 1: Vermieter/Eigentümergemeinschaft über Ladestationen informieren und deren Installation beantragen – am besten schriftlich.
  • Schritt 2: Auf einer Eigentümerversammlung wird über das Vorhaben abgestimmt. Mieter können sich an die Hausverwaltung wenden, die dann eine Eigentümerversammlung einberuft.
  • Schritt 3: Anbieter und Ladestation auswählen. Möglich sind grundsätzlich stehend montierte Ladesäulen und wandmontierte Ladestationen. Weitere Unterscheidungen gibt es hinsichtlich der Leistung und der Eignung für Innen- und Außenbereiche.
  • Schritt 4: Einen Elektroinstallateur mit der Installation der Ladestation beauftragen. Der Einbau sollte unbedingt von erfahrenen Fachkräften vorgenommen werden.
  • Schritt 5: Einige Hausverwaltungen bestehen darauf, die Ladestation-Installation im Anschluss noch einmal überprüfen zu lassen, idealerweise mittels eines zertifizierten VDE-Prüfprotokolls.​

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