Foto: Genovation Cars
16.09.2020 | 7 Minuten

Höchstgeschwindigkeit 260 km/h: Elektro-Sportwagen erobern den Automarkt


Die Zahl der zugelassenen E-Autos ist sprunghaft gestiegen. Im ersten Halbjahr 2020 lag sie 40 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Immer beliebter werden hochmotorisierte Modelle mit über 400 PS.

Von null auf hundert in weniger als fünf Sekunden. Eine extreme Beschleunigung, die den Körper tief in den Autositz drückt. In den neuen hochmotorisierten E-Autos fühlen Sie sich, als würden Sie selbst im Cockpit eines Rennwagens der Formel E 2020 sitzen.

Rasend schnell – auch an der Ladestation

Die neuen Elektro-Sportwagen, darunter der Volvo Polestar 2, Porsche Taycan Turbo S oder der geplante BMW i7, setzen dabei nicht nur auf Tempo auf den Straßen, sondern auch beim Aufladen der Batterien.

Die Neuen verfügen über eine Systemspannung von bis zu 800 Volt – für ein „herkömmliches“ E-Auto ist das bisher einzigartig. Beim Taycan hat Porsche durch einen kleineren Kabelquerschnitt und einen verringerten Bauraum auch das Gewicht reduziert. Die Konsequenzen: verkürzte Ladedauer und erhöhte Dauerleistung. Voraussetzung für die rasante Ladezeit ist der Anschluss an eine DC-Ladestation, also eine Schnellladestation, zum Beispiel die ABB Terra 54 oder 94. An dieser kann die Taycan-Batterie in weniger als 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden.

Beim Volvo Polestar 2 dauert der Ladeprozess an der DC-Schnellladestation nur unwesentlich länger. Nach knapp 40 Minuten bei bis zu 150 kW sind 80 Prozent der Ladeleistung erreicht.

Das Schnellladen wird auch im Alltag immer wichtiger, zum Beispiel auf Parkflächen von Restaurants und Supermärkten, wo der Aufenthalt kurz ist und das Auto schnell geladen sein muss. Ebenso bei Parkhäusern und -plätzen von Hotels wollen Elektroautofahrer schneller laden. Der Anbieter ABB, der den Ladestrom für die Formel E 2020 liefert, stellt geeignete Hardware bereit – mit dem passenenen digialen Service ist sie auch für den kommerziellen Alltagseinsatz geeignet.

Mehr Reichweite durch verbesserte Rekuperation

In einem E-Auto sollen alle Prozesse möglichst energieeffizient ablaufen. Bei Elektro-Sportwagen ist das umso entscheidender, da sie hochmotorisiert sind und demnach mehr Energie benötigen. Hier ist die Energierückgewinnung durch Rekuperation entscheidend.

Sobald Sie den Fuß vom Gaspedal nehmen, bremst das Auto ab – das ist die Rekuperation. Durch die entstehende kinetische Energie wird ein Generator angetrieben. Dieser erzeugt durch den elektromotorischen Widerstand Strom, welcher anschließend wieder zur Beschleunigung genutzt werden kann. So lässt sich die Reichweite effektiver ausnutzen und um bis zu 20 Prozent verbessern.

Technik aus der Formel E

Ähnlich wie bei den Rennwagen der Formel E kann auch beim Volvo Polestar 2 und dem Porsche Taycan die Rekuperation verstellt werden. So können geübte Fahrer fast gänzlich auf die Bremse verzichten.

Die Formel E ist seit 2015 die erste vollelektrische Rennserie der Welt. Jedes Jahr zeigen die großen Autobauer von Audi bis Renault, welche sportlichen Möglichkeiten in der E-Mobilität stecken. Das Knowhow aus ihren Rennautos hat auch die Entwicklung der Elektro-Sportwagen, die jetzt auf den Markt kommen, beeinflusst. So diente zum Beispiel der PorscheX Electric des TAG Heuer Porsche Formula E Teams in einigen Bereichen als Vorbild für die Modelle des Porsche Taycan.

Langsam an das neue Fahrgefühl gewöhnen

Wer sich das erste Mal in das Cockpit eines Elektro-Sportwagen setzt, sollte jedoch nicht gleich Vollgas geben. „Auch erfahreneren Autofahrern rate ich, sich erst einmal langsam an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen. Der Unterschied ist gigantisch“, erklärt Fahrlehrer und E-Auto-Kenner Daniel Pacher. Autos wie der Polestar 2 (408 PS) und der Taycan (ab 530 PS) beschleunigen in weniger als fünf Sekunden auf 100 Stundenkilometer – stufenlos. „Man wird regelrecht in den Sitz gepresst, da kann kein Benziner oder Diesel mithalten. Als Fahrer sollte man auch nicht unterschätzen, wie viel Konzentration dabei notwendig ist“, rät der Experte.

Zudem sind E-Autos generell geräuscharm, wodurch das Gefühl für die Geschwindigkeit verloren geht. „Natürlich gewöhnt man sich daran. Aber gerade in der ersten Zeit kann ein regelmäßiger Blick auf das Tacho nicht schaden. Man findet sich schnell bei Geschwindigkeiten jenseits der erlaubten Stundenkilometer wieder“, erklärt Pacher.


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